Abgestillt. 26 Monate waren genug.

Meine Stillzeit war so perfekt, ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können. Daher will ich hier mal kurz beschreiben, wie alles begonnen hat, wie es dann dazwischen so war und wie ich das ganze trotz vieler Sorgen dann beendet habe.

Vor der Geburt hab ich mir nicht besonders viele Gedanken über’s Stillen gemacht. Ich wollte gerne stillen, hab mir einen 1,5 Std. Vortrag im Krankenhaus angehört und das war’s auch schon mit meiner Vorbereitung. Im Nachhinein bin ich sehr froh, mir nicht mehr darüber den Kopf zerbrochen zu haben. Was ich nachher alles mitgekriegt hab, was alles schief gehen kann… Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich sicher gestresst gewesen.

P1340613ZUSAMMENFASSEND SEI GESAGT. Ich hab überall gestillt. Überall. Gefühlt dauernd. Am Anfang war ich auch noch recht gschamig, am Ende der Stillzeit hab ich aber nicht mal mehr drüber nachgedacht, wo ich gerade bin und ob es unpassend sein könnte. Ich bin der Meinung, dass Stillen überall ok ist. Auch neben meinen ArbeitskollegInnen war es mir völlig egal. Ich finde, es ist etwas total Natürliches und deshalb müsste ich mich nicht extra verstecken.

DER BEGINN. Nach der Geburt hat es optimal damit begonnen, dass Lara nach ihrer Ankunft gleich mal kräftig und ruck zuck getrunken hat. So problemlos, dass ich selbst überrascht war. Aber da war ich sowieso über alles überrascht. Das Wunder Mensch.

DIE UNWISSENHEIT. Ich wusste auch nicht, dass es ein bissl dauert, bis die Milch in die Brust „einschießt“. Ich war total uninformiert. Weiß auch nicht mehr, wie das bei mir dann genau war und wann die Milch kam. Die ersten paar Tage habe ich sie einfach, selbst verwundert über meine Geduld, immer wieder angelegt, ohne Stress und es hat dann immer besser funktioniert. Da ich ambulant nach der Geburt nach Hause ging, war es stressfrei. Die Hebamme hat mir daheim gezeigt, wie ich im Liegen stille (auch lächerlich dass einem das wer zeigen muss, man macht es intuitiv eh richtig). Das war’s.

ZUMINDEST DAS STILLEN KLAPPTE SOFORT. Ich war zwar mit dem Neugeborenen allgemein total überfordert, aber das Stillen hat sofort geklappt. Sie war definitiv eine Schnelltrinkerin, 5-7 Minuten oder so und sie war fertig. Ich kannte von FreundInnen Babys, die mal ne halbe Stunde nuckelten bis sie fertig waren. Darauf war ich irgendwie eingestellt. Aber kein Dauerstillen bei mir. Menschen sind dann doch verschieden.

ESSEN IST FÜR ANFÄNGERiNNEN. Nur dann kam die Breizeit. Zumindest in der Theorie. Dachte, dann stille ich weniger, aber Lara war (und ist) keine gute Esserin, daher hab ich de facto 9 Monate voll gestillt, direkt bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich wieder (Vollzeit) arbeiten ging. Gegessen hat sie immer noch nicht wirklich mehr, aber meine Brust hat sich dann erst mal umstellen müssen, dass sie untertags nicht geleert wird. Aber auch das hat problemlos geklappt. Angebot, Nachfrage und so. Der Mensch ist wirklich sehr anpassungsfähig.

ABTILLEN? Nun, scheinbar wollte ich spätestens mit dem ersten Geburtstag abstillen. Hatte das ja vergessen, dass ich das gesagt habe, aber gut, dass sich meine Freundinnen das gemerkt haben. Spätestens ab dem ersten Geburtstag des Kindes war mein Hauptthema: Wie kriege ich dieses Kind von meiner Brust weg? Gerade weil sie scheinbar nur die Brustmilch will? Was zur Hölle ist so gut an meiner Milch? Die viele Schoki, die ich esse? Manche KollegInnen meinten ja, ich würde Kakao produzieren und deshalb wollte Lara nicht aufhören damit. Klang plausibel 😉

HORROR IM KOPF. Ich hatte mir Horrorszenarien ausgemalt was das Abstillen angeht. Erstens: Wie geht Lara damit um? Zweitens: Wie kommt mein Körper damit klar (Milchstau und was es da alles gibt?)? Drittens again: Wie in aller Welt kriege ich mein Brust-fixiertes Kind von meiner Brust weg? Auf meine Freundinnen, die schon abgestillt hatten, war ich schon ein bissl neidisch. Sie hatten das schon hinter sich. Ich war auch schon kurz davor, eine Stillberaterin aufzusuchen.

ABSTILLEN! Im Endeffekt war es dann aber so einfach und fast ohne Tränen, dass ich mir all die Sorgen völlig umsonst gemacht habe. Ich habe das Stillen bis zum Schluss geliebt. Nur ein bisschen hat es mich dann auch genervt. Klingt schizophren. Ist es auch. Aber ich wollte einfach absolut nicht mehr und ich wollte es „im Schönen beenden“. Also hab ich es Lara erklärt. Der Vorteil am langen Stillen. Das Kind versteht alles schon besser. Hab ihr erklärt, dass ich nicht mehr will, dass es jetzt genug ist, dass ich Schmerzen hab (die wohl eher psychisch waren). Es war ein schöner Sommertag. Ich hab nachts gestillt (zum Einschlafen abends davor hab ich es schon weggelassen) und dann am nächsten Tag war’s aus. Ich hab Lara das entsprechend angekündigt. Wir waren mit einer Freundin an der Donau schwimmen. Sie hat dort 2x nach der Brust verlangt. 1 Minute je Fragen dramatisch geweint (sie ist ja sowieso eine kleine Dramaqueen) und das war’s. Aus die Maus. Sie durfte natürlich danach die Brust streicheln oder ihr ein Bussi geben. Man muss es nicht ganz wegnehmen. Aber Stillen ging nicht mehr. Der 11. August 2019 war der letzte Tag Stillen. (Zumindest offiziell 😉 )

ALLE SORGEN UMSONST. Also am Ende des Tages alles kein Drama, tausende Sorgen umsonst. Und tolle Erinnerungen an eine perfekte Stillzeit mit super Ende. Hilfreich war sicher auch eine Woche Indien ohne Kind. Ob es ohne diese Reise so einfach gegangen wäre, weiß ich nicht. Aber Milch hatte ich scheinbar vorher schon nicht mehr viel. Weil ich dort genau 3 Tropfen abgepumpt hab, da ich Angst vor irgendwelchen Entzündungen hatte. Ich war so froh, endlich meinen Körper wieder ganz für mich alleine zu haben. Ich bewundere Frauen, die noch viel länger stillen. Für mich war das das absolute Maximum.

KEINE NEGATIVEN ERFAHRUNGEN. Und negative Erfahrungen hab ich auch keine gemacht mit dem Stillen. Im Gegenteil, ich hab in der Öffentlichkeit nur positive Rückmeldungen erhalten. Wie toll es ist, dass ich noch stille. Wie gut es für das Kind ist. Auch mein Zahnarzt oder so haben mich immer bestärkt. Wenn man oft mal mitkriegt, was andere Mamas so erleben, hatte ich da scheinbar Glück. Manchmal wurde ich gefragt, wie alt das Kind ist (das ich da gerade stille). Und dann dachte ich: Oje was kommt jetzt? Und dann: „Super, dass Sie noch stillen. Gut für’s Kind“.

KEIN FLASCHERL UND SCHNULLER? Durch das lange Stillen hat Lara bis heute nie ein Flascherl gekriegt. Ich glaub, das haben wir jetzt durch und uns erspart. Wobei sie ja mega gern einen Schnuller haben würde. Auch heute noch. Aber jetzt fangen wir uns das nicht mehr an (ich wollte schon nachgeben, Georg blieb hart). Vermutlich war das auch ein Grund für’s lange Stillen, die Brust nuckeln statt Schnuller nuckeln. Kurzfristig hatte mich das sehr genervt, aber im Endeffekt bin ich froh, dass wir es jetzt so geschafft haben. (Anmerkung: Ich hab rein gar nichts gegen Schnuller, im Gegenteil, ich hab ihn selbst als Kind geliebt. Aber rein aus praktischen Gründen wie dass man den dauernd verliert oder so, wollte ich mir das ersparen.)

MAN LERNT NIE AUS! Nicht immer so viele Sorgen machen. Es gibt immer eine Lösung. Für alles. Leben genießen. Dankbar sein! P1250638 ! StillenUnd zuletzt sei gesagt. dass ich finde, dass niemand stillen muss oder sollte. Jede Mama sollte völlig FREI entscheiden, ob sie stillen will, wieviel sie stillen will und wie lange. Alles ist völlig okay und alles ist gut für’s Kind! Und wir sollten niemals über andere Mamas bzw. Menschen urteilen. Niemals. Jeder Mensch soll sein Leben leben. Und sich nicht beirren lassen durch andere Meinungen. Man weiß selbst am besten, was gut ist für einen. Das zu lernen, war ein wichtiger Prozess auch für mich. Gerade auch was das Stillen anging. Da dies ein großes Thema ist für jede Mama, egal ob sie stillt oder nicht. Ich hätte nie gedacht, dass ich die bin, die am längsten stillt in meinem Freundeskreis. Niemals. Gerade weil mir meine Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit unglaublich wichtig ist. Aber es kommt eben immer anders als man denkt. Und das ist auch gut so! In diesem Fall bereue ich rein gar nichts. Es hat genau so gepasst, wie es war. Ich blicke auf wunderschöne Stillmomente zurück und werde diese für mich besondere Nähe nie vergessen.

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